microcosms - kleine Schönheiten
Zu meinen Arbeiten im Wasserschloss, Bad Rappenau

Manchmal entfaltet das Unscheinbare, Unbeachtete, Lästige eine Schönheit, die mich in Bann zieht. Ähnlich einem Stein, der ins Wasser geworfen, seine Kreise auf der Oberfläche zeichnet. Dieser (Mikro) Kosmos, was im Griechischen u.a. Schönheit bedeutet, fasziniert mich. Die kleinen Schönheiten also, haben der Ausstellung ihren Namen gegeben.

Gottesanbeterinnen, Spinnen, Stubenfliegen und anderes Insektengetier hinterlassen ihre Spuren in meinem visuellen Repertoire. Gebrochene Symmetrien, Verästelungen, Spiralen – Kapriolen von bildhaften Fugen, und immer wieder Variationen und Serien.

In der Künstlerwerkstatt Steindruck München kann ich mich seit 5 Jahren intensiv und experimentell der Steinlithografie widmen. Die erstaunlich vielfältigen Möglichkeiten dieser Drucktechnik eröffnen mir ein weites Feld für meine Bildideen. Nicht zu vergessen die Klangbilder von Bartók, Schönberg, Bach und Beethoven. Eine weitere Inspirationsquelle, die mich durch die Arbeit meines Mannes, des Pianisten Michael Leslie stetig umgibt.

Der Ausgangspunkt meiner Arbeiten waren detaillierte Landkarten aus dem Nachlass meines Großvaters. Auf der Basis dieser präzisen, überaus ästhetischen, lithografischen Dokumente entwickelte ich eigene Gedankenlandkarten und innere Landschaften. In der Folge entstanden dann mehrfarbige, lithografische Serien, Chine collée, Collage, Öl- und Aquarellmalerei, auf Papier, Leinwand und Holz sowie Künstlerbücher.

Schwerpunkt der Ausstellung im Wasserschloss sind die 2012/13 begonnenen Serien Mikrokosmos - Aus dem Tagebuch einer Fliege. Fasziniert von Béla Bartóks Klavierzyklus Mikrokosmos, insbesondere vom Stück From the Diary of a Fly - Aus dem Tagebuch einer Fliege, aus dem sechsten Band, machte ich mich auf die Suche. 
Zunächst nahm ich mir die Sammlung Diptera der Zoologischen Staatssammlung, München vor und zeichnete Fliegen aus den umfangreichen Beständen. Später fand ich zahlreiche Stubenfliegen, die den Winter nicht überlebt hatten, im alten Gemäuer von Schloss Fürfeld. 
Mit einem einfachen digitalen Mikroskop nahm ich dann von mir präparierte Fliegenflügel auf. Es entstanden mehr als 500 Aufnahmen - feinste Strukturen, filigrane Muster, dramatische Formationen - eine faszinierende Welt tat sich auf – ein Mikrokosmos der Fliege. 
Die sich selbstähnlichen Muster und Strukturen, wie sie in der Natur vorkommen, im Mikrokosmos sichtbar und eben auch in der Musik Béla Bartóks hörbar sind, liefern mir eine schier unendliche Quelle für neue Bildserien.

Herbst/Winter 2013 begann ich dann mit ungiftigen Druckverfahren zu experimentieren: Radierungen und Reliefdrucke mittels lichtempfindlicher Photopolymer-Druckplatten, den sogenannten Solarplates.

Graphikserien – aus dem Tagebuch einer Fliege – entstanden.

Serie 1 sind Radierungen, davon teilweise zweifarbige Drucke, bei denen Tief- und Hochdruck in einem Druckverfahren verbunden sind.

Serie 2 sind mehrfarbige Hoch-, Reliefdrucke aus bis zu fünf verschiedenen Druckplatten.

Serie 3 sind Radierungen von transformierten Aufnahmen meiner Stubenfliegen mit Hilfe des Raster-Elektronenmikroskops des Deutschen Museums, die ich in Zusammenarbeit mit Klaus Macknapp erstellte.

Die Serie El diari d´una muca entstand während eines Arbeitsaufenthaltes in der Radierwerkstatt Artprint-residence von Jordi Rosés Pou, Arenys de Munt bei Barcelona.

Mein besonderer Dank gilt meinem Mann, dem Pianisten Michael Leslie, für die fortwährende musikalische Inspiration.Tom Kristen, dem Leiter der Künstlerwerkstatt Steindruck, München für seine stetige Unterstützung, Jordi Rosés Pou, dem katalanischen Meister der Radierkunst sowie dem Wissenschaftler Klaus Macknapp, der sich Zeit für mich am Elektronenrastermikroskop nahm.

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