microcosms. solarprints

The diary of a fly
Aus dem Tagebuch einer Fliege

Fasziniert von Béla Bartóks Klavierzyklus Mikrokosmos insbesondere vom Stück From the Diary of a Fly - Aus dem Tagebuch einer Fliege, aus dem sechsten Band, machte ich mich auf die Suche. Zunächst nahm ich mir die Sammlung Diptera der Zoologischen Staatssammlung, München vor und zeichnete Fliegen aus den umfangreichen Beständen. Später fand ich zahlreiche Stubenfliegen, die den Winter nicht überlebt haben, in altem Gemäuer. Mit einem einfachen digitalen Mikroskop nahm ich dann von mir präparierte Fliegenflügel auf. Es entstanden mehr als 500 Aufnahmen - feinste Strukturen, filigrane Muster, dramatische Formationen - eine faszinierende Welt tat sich auf - ein Mikrokosmos der Fliege. Die sich selbstähnlichen Muster und Strukturen, wie sie in der Natur vorkommen und im Mikrokosmos sichtbar und eben auch in der Musik Béla Bartóks hörbar sind, liefern mir eine schier unendliche Quelle der Inspiration. Bildideen in Variationen entstehen, die ich seither in Bildtafeln, graphischen Blättern, Lithografien und Photopolymerdrucken umsetze. Juli/August/September 2013 erstellte ich die vorliegenden drei Graphikserien mittels lichtempfindlicher Druckplatten, den sogn. solarplates.

Serie 1 sind Radierungen, davon teilweise zweifarbige Drucke, bei denen Tief- und Hochdruck in einem Druckverfahren verbunden sind.

Serie 2 sind mehrfarbige Hochdrucke aus bis zu fünf verschiedenen Druckplatten.

Serie 3 sind Radierungen von transfomierten Aufnahmen meiner Stubenfliegen mit Hilfe des Raster-Elektronenmikroskops des Deutschen Museums, die ich in Zusammenarbeit mit Klaus Macknapp erstellte

Zum Druckverfahren

Der amerikanische Künstler Dan Welden entwickelte lichtempfindliche, mit Photopolymerschicht bezogene Druckplatten für ungiftigen Tief- und Reliefdruck. Die Idee stammte ursprünglich aus der Platinenherstellung in der Computertechnik und wird weltweit von Künstlern als ungiftige Alternative für Druckverfahren wie Radierung, Heliogravüre oder Reliefhochdruck benützt. Alles, was man für die solarplate braucht, ist eine Bildvorlage auf transparentem Film, Sonne·oder eine UV-Lichtquelle und Leitungswasser.

Alle Drucke wurden von Photopolymer Druckplatten TOK-solar von Joop Stoop, Paris, und solarplates von Hampton Editions, Ltd., USA erstellt.

Vom 30. März bis 4. April 2014 habe ich 8 Photopolymerpplatten und Radierungen mit chine collée in der Werkstatt Art Print Residence, Arenys bei Barcelona erstellt. Jordi Rosés Pou war ein fantastischer Lehrer.

 

 

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